Warum gehen wir nicht mehr in den Tierpark?

Noch vor einiger Zeit haben wir regelmäßige Spaziergänge im Tierpark unternommen und haben dort Umwelt- und Sozialkompetenz in den verschiedensten Situationen geübt.
Der Tierpark eignet sich als Ort an sich dafür hervorragend, denn wo kommen solch vielfältige komplexe Situationen sonst auf alle auf einmal vor.

ABER ich persönlich kann den Besuch im Tierpark aus verschiedenen Gründen nicht mehr vertreten.

Ich möchte keine eingesperrten Tiere anschauen, die in viel zu kleinen Gehegen dahin vegetieren. Stolze Tiere, die sonst in der freien Wildbahn riesige Territorien inne haben, jagen, laufen, rennen…
Sie liegen, stehen oder laufen in ihren Käfigen oder engen Ausläufen und schauen mit traurigen leeren Augen und langweilen sich in Verhaltensauffälligkeiten… Pfleger verstecken Futter oder denken sich Spiele aus, um das einzugrenzen.

Und wir – wir flanieren mit unseren heiß geliebten und oft genug verwöhnten Haustieren arrogant an ihnen vorüber und begaffen sie – nur mäßig mitleidig oder mit nur mäßigem Mitgefühl. Denn wir sehen nicht das Leid dahinter, wir sehen nur, die Tiere da aktuell vor uns. Die Exoten, die es doch nur in fernen Ländern gibt oder die lustigen Otter, die lustig von einer Ecke des Miniteiches zu anderen rennen und bisschen tauchen können… Ist man gerade zur Fütterungszeit vor Ort kann man das lustige Fiepen hören, beinahe Geschrei, wenn die Dame mit dem Futtereimer kommt, der lieblos über dem Gehege entleert wird…

Wir machen uns nicht bewusst, was ihnen fehlt oder dass ihnen überhaupt etwas fehlen könnte.
Unsere behüteten Haustiere laufen während dessen an unserer Seite, hier wissen wir ganz genau, was sie brauchen, was sie mögen; wir lieben sie abgöttisch. Sie haben ein weiches Plätzchen, ihre Familien und höchstwahrscheinlich jede Menge Spaß und Auslauf, Spaziergänge, Training und tolles Fresschen.

Ich möchte und kann diese Diskrepanz nicht mehr ertragen und nicht mehr mittragen.
Von den Machenschaften der Zucht und Zuchtüberwachung und der Überpopulation, die dann eiskalt verfüttert wird, ganz zu schweigen.

Manche können das vielleicht verstehen und vielleicht sogar nachvollziehen, andere werden mich für vollkommen … halten.
Aber das ist meine Begründung dafür, dass ich kein Training mehr im Tierpark durchführe.

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Lernt endlich Eure Hunde lesen!!

Neulich stand ich in der Stadt an einem Ampelrückstau an und konnte mal wieder den ganzen menschlichen Irrsinn einer Hundebegegnung beobachten…

Zwei ältere Damen mit kleinen Hunden. Die eine mit einem Malteser und die andere mit einem Mops „bewaffnet“, in ca 5 oder 6 Meter Abstand voneinander gegenüber stehengeblieben, natürlich auf dem offenen Fußweg.
Der Malteser legte sich hinter Frauchen auf den Boden und ging keinen Schritt weiter.  Vermied den Blickkontakt wo er konnte.
Der Mops stand wie angewurzelt und hatte seinen Blick starr geradeaus auf den Malteser gerichtet.  Als sein Frauchen weiter gehen wollte, bewegte er sich keinen Zentimeter. Er war stocksteif und 5m größer.

Die beiden Frauchen waren wohl auf der Distanz ins Gespräch gekommen, denn beide kommunizierten lächelnd – es sah eher so aus in der Richtung: „Junge oder Mädchen“ – „Ach ja, dann können sie sich ja begrüßen“.
Denn beide sind nun, völlig ungeachtet der 3 Millionen Vokabeln ihrer Hunde, am an der Leiner zerren und den Hund zum Gehen zu bewegen.
Der Malteser wurde gezwungen mit kräftigem Zug auf der Leine (mit Halsband) aufzustehen und sich frontal auf den Mops zuzubewegen.
Der Mops seinerseits auch an Halsband und Leine,  wurde einer Statue ähnlich, denn immer noch stocksteif den Malteser fixierend in Richtung diesem gezogen.

Der Verkehr ging leider weiter, ich konnte also diese weitere Begegnung und den direkten Ausgang nicht zu Ende beobachten. Gott sei Dank, denn bei sowas könnte ich unvermittelt aus dem Auto springen und die Hundehalter an den Ohren durch die Gegend zerren… und mit dem Gesicht in die Vokabeln ihrer Hunde drücken…
Bildlich versteht sich – wer jetzt Kopfkino hat, das ist ok 😉

Aber um sich das Ende der Geschichte auszumalen gehört nun wirklich keine Phantasie. Diese beiden Hunde wollten sich „ganz bestimmt“ begrüßenUnd ich gehe jede Wette ein, dass es mindestens bei einem Hund dann bisschen Theater gab. Sollte das vielleicht nicht der Fall gewesen sein, dann haben, wie immer, beide Seiten aus der Begegnung gelernt und zwar nichts Gutes.

Der Malteser lernte, dass er trotz seiner Angst von seinem Frauchen in diese Situation gezwungen wird und er, egal was tut oder zeigt, nichts daran ändern kann, er MUSS den Mops begrüßen… Wenn er Glück hatte, brauchte er nicht bis direkt an dessen Nase.
Wenn er es noch nicht hat, wird sich bei ihm ein Begegnungsstress entwickeln, der unterschiedlich aussehen kann. Denn er kann kein Vertrauen zu seinem Frauchen haben und muss diese Sache für sich selbst lösen, in dem er für sich selbst Bewältigungsstrategien findet, die ihn innerlich erleichtern.

Dem Mops geht es ähnlich. Er hat auch sein Gegenüber nicht ohne Grund fixiert. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist auch er kein großer Begegnungskünstler. Nicht jeder Hund, der sich steif macht und fixiert, ist dominant. Das ist eh eigentlich bei 99% dieser Fälle so – man kann also davon ausgehen, dass auch der Mops eher aus Unsicherheit oder gar Angst so reagiert hat. Er wird bereits Ähnliches des Öfteren erlebt haben, denn auch sein Frauchen registrierte nichts von seiner deutlich sichtbaren Körpersprache. Auch er wurde in diese Distanzverringerung gezwungen, obwohl er es mit Sicherheit auch nicht wirklich wollte. Auch hier könnte ein Begegnungsstress bereits bestehen oder sich dann durch so etwas entwickeln. Oder die ganze bereits sichtbare Reaktion war bereits eine Folge von Begegnungsstress.

Also ich gehe ja aus Prinzip beim Einkaufen als Erstes in den Aldi rein und umarme jeden Menschen freudig, der sich dort befindet, erkläre ihm, wie toll der Tag ist und dass ich jetzt auch hier einkaufen werde…  Macht Ihr das etwa nicht… Warum?? Ist doch ganz normal…  Verstehe ich nicht… Ich muss doch als hoch sozialisiertes Lebewesen JEDEN Artgenossen, der mir begegnet freundlich freudig begrüßen, heißt also im menschlichen Fall umarmen – ansonsten ist mein Einkauf doch völlig unhöflich – oder etwa nicht… oder auf der Straße, wenn mir einer entgegen kommt… ok – allerspätestens beim 3 Menschen hätte ich eine zu sitzen….  warum bloß. Dabei bin ich doch nur höflich und freundlich…

Abgesehen davon, dass wir das ja nun wirklich so nicht machen, da uns unsere persönliche Individualdistanz jeder Zeit bewusst ist und wir diese Wohlfühlzone IMMER bewusst wie auch unterbewusst einhalten, frage ich mich immer wieder, warum der Mensch es bei den Hunden nicht erkennt. Vor allem anerkennt. Warum müssen sich alle Hunde auf der Welt lieb haben und sich vor allem leiden können?
Ich sage immer meinen Kunden – ich liebe auch nicht alle meine Nachbarn…

Es ist soooo wichtig sich mit der Körpersprache seines vierbeinigen Freundes zu befassen. Den Hunden steht ALLES auf den Leib und ins Gesicht geschrieben, man muss nur hinschauen und es beobachten und deuten können. Es heißt Ausdrucksverhalten, Körpersprache und Kommunikation, weil es das Verhalten des Hundes erklären kann und zeigen kann, welches Verhalten folgen wird.
Es ist schon ein wenig aufwändig. Man muss lernen, seinen eigenen Hund zu beobachten und man muss üben, das Beobachtete zu deuten. Dann muss man das alles noch einordnen können und wissen was es bedeutet und was daraus folgt, wie sich der Hund verhalten wird und wie man selbst reagieren muss.
Ja sicher ist das ein Einsatz, aber ist man es nicht seinem Liebling schuldig, zu wissen was er fühlt, welche Bedürfnisse er hat und wie man diese bestmöglich erfüllen kann?
Dann muss man von ihm auch nicht verlangen, Dinge zu tun, die ihm widerstreben oder die ihm schaden oder gar Schmerzen, ob physisch oder psychisch, zufügen. Denn nichts anderes ist es, wenn man seinen Hund, ob bewusst oder unbewusst, in solche Situationen rammeln lässt, wenn es auch gleich aus Unkenntnis ist.

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(c) Ramona Noack, Tierzentrum Leuthen

 

 

Die Sache mit dem Futter-Schlingen…

Immer wieder höre ich von Hundebesitzern, dass Ihre Lieblinge so sehr schlingen würden.

Sie haben dann Angst, dass die Hunde sich verschlucken könnten und setzen alles daran, sie an dieser Art von Nahrungsaufnahme zu hindern. Das Fleisch wird klein geschnitten oder man investiert in einen aufwändig gestalteten Anti-Schling-Napf, den es inzwischen von findigen Entwicklern erfunden, in allen Formen, Farben und Materialien im Handel gibt.

Gehen wir doch mal ein paar Schritte in die andere Richtung unserer heutigen sehr engen Familienmitglieder, so werden wir feststellen, dass es sich beim Schlingen um einen ganz natürlichen Vorgang handelt.

Unser Hund ist ein Beutegreifer. Das heißt, er erlegt die Beute und frisst sie auf. Er jagt nicht allein, Hunde würden, wenn sie könnten und dürften ebenso im Rudel jagen, wie ihre Vorfahren. Klar rennen unsere Fellis auch mal alleine los und folgen einer Spur oder hetzen auch schon mal, wenn sich die Gelegenheit bietet, aber das ist ja auch nur ein kleiner Bestandteil des kompletten Jagdverhaltens und endet eher selten in einer Vollendung.

Im Rudel gibt es da eine regelrechte Aufgabenverteilung. Ein bisschen nach Talent und so.

Und wenn nun so ein Hirsch bspw erlegt ist, dann macht sich das Rudel drüber her…. Echt mal – steht hier gesittetes Essen an – kauen und genießen?

Doch wohl eher nicht. Nicht nur, dass da nun echt keine Zeit für bleibt bei den ganzen Familienmitgliedern, dem Hunger und den eventuellen Konkurrenten, so ist auch das Gebiss unserer Hunde gar nicht darauf ausgelegt. Der Hund hat keine ausgeprägten Kau-Zähne. Er hat eher Reißzähne, die einfach dazu dienen, die Stücke aus der Beute zu reißen und dann auch ebenso einfach zu schlucken. Vielleicht mit den hinteren Zähnen ein-zweimal durchkneten, aber mehr auch nicht. Zermahlen steht bei den Zähnen unserer Hunde nicht direkt auf dem Programm.

Weiter geht’s mit dem Verdauungstrakt. Der ist beim Hund echt kurz geraten. Beim Hund ist er ca 1:6,8 und bei einem Pflanzenfresser, der richtig kaut im Leben ist er ca 1:23 … im Verhältnis zum gesamten Körper.

Der Magen ist allerdings recht groß, im Verhältnis zum Rest.

Dieser ist beim Hund darauf ausgerichtet in Schichten zu verdauen und stellt daher beim Eindringen des Futters jede Menge Verdauungssekrete und allerlei Helferleins zur Verfügung. Allein diese Tatsache entspricht ja dem Abschlingen großer Fleischbrocken. Viel Flüssigkeit für viel Material. Der Magen zermalmt damit dann alles und macht es fertig für den Darm, in den das Futter dann weitergeleitet wird, wenn der Brei eine bestimmte Partikelgröße erreicht hat.

Zermahlenes Futter, wie Gewolftes oder Kleingeschnittenes oder kleines Trockenfutter braucht nicht sehr lange, bis dieses Ergebnis erreicht ist. Die Folge davon ist, dass die bereitgestellte Menge an Verdauungsflüssigkeit einfach zu viel ist und übrig bleibt und beim Hund damit Probleme auslösen kann. Weitere Schwierigkeiten gibt es bei der Aufnahme von Vitaminen und Mineralien, die eine bestimmte Verdauungszeit benötigen und nicht zuletzt leidet das Sättigungsgefühl des Hundes darunter. Er hat einfach sehr viel schneller wieder Hunger, weil der Magen schon wieder leer ist. Beim Hund hängt das Sättigungsgefühl allerdings auch vom entsprechenden Nährstoffgehalt im Blut ab. Ging das alles recht schnell, konnten wie oben beschrieben, nicht ausreichend Vitamine und Mineralien aufgenommen werden.

Unser Fazit nun: Schlingen ist vollkommen normal und braucht Euch treusorgende Hundebesitzer nicht zu ängstigen. Lasst der Natur ihren freien Lauf. Wer barft, schneidet einfach nicht mehr allzu klein oder vermeidet weitestgehend gewolftes Material und einen Anti-Schling-Napf braucht kein Mensch – äh Hund. Hier wurde eher mit der Unsicherheit der Besitzer dem Stubenwolf ein Dollarzeichen in die Augen gemalt.

Ist der Hund wirklich mal zu schnell, dann würgt er es in aller Regel einfach wieder hoch und nimmt es eigentlich auch sofort wieder auf. Frei nach dem Motto, wer abrutscht darf noch mal. Wirklich ZU hastige Schlinger gibt es eher selten. Und wenn Euer Hund Eurer Meinung nach doch ein bisschen zu flott ist und sich dauerhaft verschluckt, dann gibt es Futter aus der Hand, Stück für Stück und dann muss er es beigebracht bekommen, wie das richtig geht.

Dem Magen und der Gesundheit zuträglicher ist auf jeden Fall der Seitenblick in die Natur.

© Ramona Noack, Tierzentrum Leuthen 2017

Die Sache mit dem Tütchen…

Neulich war ich mit einem Stand auf einer Messe und hatte ein bisschen Ware mit zum Verkauf. Was man halt als Hundehalter so braucht – Kauartikel, Leckerlis natürlich und auch ein paar Päckchen mit Hundetütchen – Grundausstattung eben – Ihr versteht…

Es kamen zwei Damen und schauten sich durch meine Auslage und kamen schlussendlich auch zu meinen Tütchen. Misstrauisch wurde alles beäugt und um- und umgedreht. Sagt eine zur anderen: schau mal Tüten. Die andere tritt näher und sagt, ach das sind doch keine Tüten.  Doch schau mal – macht das Päckchen auf und schaut noch näher und rein und zählt und wirft sie beinahe angeekelt wieder weg. Die andere sagt, siehste, da sind ja kaum welche drin. Guck doch mal auf die Anzahl. Die bekomme ich viel mehr viel billiger.

Meinen Einwurf, dass diese Tüten umweltfreundlich und selbstauflösend sind, wird mit einem abschätzigen Blick quittiert.

Zählt denn wirklich nur noch die Menge und so billig wie möglich?

Also das ist ja so eine Sache mit dem Tütchen…

Diese Begebenheit hat mich wirklich zum Nachdenken angeregt, denn was macht man da eigentlich. Sicher müssen die Häufchen irgendwie weg. Sie stören, sind unschön und verschandeln gepflegte Bürgersteige. Alles richtig. Sage ich ja gar nichts.

Aber hat mal jemand weiter gedacht?
Bei der Hundenotdurft handelt es sich um reines Naturprodukt.

Vollends und schnell biologisch abbaubar. Und das packt man in Plastik – Tüten und schmeißt es in den Müll, wo es gar nicht mehr abgebaut werden kann und der ja meistens auch noch mal in eine Tüte kommt…. Das ist also eigentlich genauso unsinnig wie eine Banane in Plastikfolie zu verschweißen – hat es ja im Supermarkt schon gegeben, am besten noch mit BIO – Siegel, damit es ganz sinnfrei wird.

Der Abbau einer Plastiktüte dauert so ca 400 Jahre… ein paar mehr oder weniger.

Sollte man da nicht ein bisschen mehr drüber nachdenken, als nur die Anzahl der Tütchen auf der Rolle in das Verhältnis des Preises zu setzen?

Natürlich gibt es die großen Rollen von namhaften Herstellern in pink und bunt und sogar mit Pfötchenabdrücken, mit Spender oder ohne, aber natürlich auch im praktischen Nachfüllpack. Klar sind die niedlich und billig und man versucht damit die Anwendung so angenehm wie möglich zu machen und auch Tütchenmuffel zu animieren welche zu nutzen.
Und in manchen Städten und Gemeinden wird ja schon das Mitführen von Tütchen kontrolliert und ein Nicht-dabei-Haben sogar ordnungsrechtlich bestraft.

Plastik gehört heute einfach überall dazu. Jede Branche hat ihr Tütchen.

Nun ist ja die Politik sogar darauf aufmerksam geworden, seit es mit dem Übrigbleibsel der abgelegten Tüten anfängt Probleme zu geben. In manchen Ländern wurden sie bereits verboten und in unseren Geschäften plädiert man auf schönen Schildchen für Nachhaltigkeit und Umweltschutz und möchte nun inzwischen Geld für das Tütchen.

Sollte man also nicht auch an der Stelle über Nachhaltigkeit nachdenken, an der eine Tüte mit einem natürlichen Produkt nach einmaligem Gebrauch entsorgt wird, ohne Aussicht auf einen schnellen unschädlichen Abgang?
(c) Ramona Noack, Tierzentrum Leuthen 2017