Die Sache mit dem Futter-Schlingen…

Immer wieder höre ich von Hundebesitzern, dass Ihre Lieblinge so sehr schlingen würden.

Sie haben dann Angst, dass die Hunde sich verschlucken könnten und setzen alles daran, sie an dieser Art von Nahrungsaufnahme zu hindern. Das Fleisch wird klein geschnitten oder man investiert in einen aufwändig gestalteten Anti-Schling-Napf, den es inzwischen von findigen Entwicklern erfunden, in allen Formen, Farben und Materialien im Handel gibt.

Gehen wir doch mal ein paar Schritte in die andere Richtung unserer heutigen sehr engen Familienmitglieder, so werden wir feststellen, dass es sich beim Schlingen um einen ganz natürlichen Vorgang handelt.

Unser Hund ist ein Beutegreifer. Das heißt, er erlegt die Beute und frisst sie auf. Er jagt nicht allein, Hunde würden, wenn sie könnten und dürften ebenso im Rudel jagen, wie ihre Vorfahren. Klar rennen unsere Fellis auch mal alleine los und folgen einer Spur oder hetzen auch schon mal, wenn sich die Gelegenheit bietet, aber das ist ja auch nur ein kleiner Bestandteil des kompletten Jagdverhaltens und endet eher selten in einer Vollendung.

Im Rudel gibt es da eine regelrechte Aufgabenverteilung. Ein bisschen nach Talent und so.

Und wenn nun so ein Hirsch bspw erlegt ist, dann macht sich das Rudel drüber her…. Echt mal – steht hier gesittetes Essen an – kauen und genießen?

Doch wohl eher nicht. Nicht nur, dass da nun echt keine Zeit für bleibt bei den ganzen Familienmitgliedern, dem Hunger und den eventuellen Konkurrenten, so ist auch das Gebiss unserer Hunde gar nicht darauf ausgelegt. Der Hund hat keine ausgeprägten Kau-Zähne. Er hat eher Reißzähne, die einfach dazu dienen, die Stücke aus der Beute zu reißen und dann auch ebenso einfach zu schlucken. Vielleicht mit den hinteren Zähnen ein-zweimal durchkneten, aber mehr auch nicht. Zermahlen steht bei den Zähnen unserer Hunde nicht direkt auf dem Programm.

Weiter geht’s mit dem Verdauungstrakt. Der ist beim Hund echt kurz geraten. Beim Hund ist er ca 1:6,8 und bei einem Pflanzenfresser, der richtig kaut im Leben ist er ca 1:23 … im Verhältnis zum gesamten Körper.

Der Magen ist allerdings recht groß, im Verhältnis zum Rest.

Dieser ist beim Hund darauf ausgerichtet in Schichten zu verdauen und stellt daher beim Eindringen des Futters jede Menge Verdauungssekrete und allerlei Helferleins zur Verfügung. Allein diese Tatsache entspricht ja dem Abschlingen großer Fleischbrocken. Viel Flüssigkeit für viel Material. Der Magen zermalmt damit dann alles und macht es fertig für den Darm, in den das Futter dann weitergeleitet wird, wenn der Brei eine bestimmte Partikelgröße erreicht hat.

Zermahlenes Futter, wie Gewolftes oder Kleingeschnittenes oder kleines Trockenfutter braucht nicht sehr lange, bis dieses Ergebnis erreicht ist. Die Folge davon ist, dass die bereitgestellte Menge an Verdauungsflüssigkeit einfach zu viel ist und übrig bleibt und beim Hund damit Probleme auslösen kann. Weitere Schwierigkeiten gibt es bei der Aufnahme von Vitaminen und Mineralien, die eine bestimmte Verdauungszeit benötigen und nicht zuletzt leidet das Sättigungsgefühl des Hundes darunter. Er hat einfach sehr viel schneller wieder Hunger, weil der Magen schon wieder leer ist. Beim Hund hängt das Sättigungsgefühl allerdings auch vom entsprechenden Nährstoffgehalt im Blut ab. Ging das alles recht schnell, konnten wie oben beschrieben, nicht ausreichend Vitamine und Mineralien aufgenommen werden.

Unser Fazit nun: Schlingen ist vollkommen normal und braucht Euch treusorgende Hundebesitzer nicht zu ängstigen. Lasst der Natur ihren freien Lauf. Wer barft, schneidet einfach nicht mehr allzu klein oder vermeidet weitestgehend gewolftes Material und einen Anti-Schling-Napf braucht kein Mensch – äh Hund. Hier wurde eher mit der Unsicherheit der Besitzer dem Stubenwolf ein Dollarzeichen in die Augen gemalt.

Ist der Hund wirklich mal zu schnell, dann würgt er es in aller Regel einfach wieder hoch und nimmt es eigentlich auch sofort wieder auf. Frei nach dem Motto, wer abrutscht darf noch mal. Wirklich ZU hastige Schlinger gibt es eher selten. Und wenn Euer Hund Eurer Meinung nach doch ein bisschen zu flott ist und sich dauerhaft verschluckt, dann gibt es Futter aus der Hand, Stück für Stück und dann muss er es beigebracht bekommen, wie das richtig geht.

Dem Magen und der Gesundheit zuträglicher ist auf jeden Fall der Seitenblick in die Natur.

© Ramona Noack, Tierzentrum Leuthen 2017

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Die Sache mit dem Tütchen…

Neulich war ich mit einem Stand auf einer Messe und hatte ein bisschen Ware mit zum Verkauf. Was man halt als Hundehalter so braucht – Kauartikel, Leckerlis natürlich und auch ein paar Päckchen mit Hundetütchen – Grundausstattung eben – Ihr versteht…

Es kamen zwei Damen und schauten sich durch meine Auslage und kamen schlussendlich auch zu meinen Tütchen. Misstrauisch wurde alles beäugt und um- und umgedreht. Sagt eine zur anderen: schau mal Tüten. Die andere tritt näher und sagt, ach das sind doch keine Tüten.  Doch schau mal – macht das Päckchen auf und schaut noch näher und rein und zählt und wirft sie beinahe angeekelt wieder weg. Die andere sagt, siehste, da sind ja kaum welche drin. Guck doch mal auf die Anzahl. Die bekomme ich viel mehr viel billiger.

Meinen Einwurf, dass diese Tüten umweltfreundlich und selbstauflösend sind, wird mit einem abschätzigen Blick quittiert.

Zählt denn wirklich nur noch die Menge und so billig wie möglich?

Also das ist ja so eine Sache mit dem Tütchen…

Diese Begebenheit hat mich wirklich zum Nachdenken angeregt, denn was macht man da eigentlich. Sicher müssen die Häufchen irgendwie weg. Sie stören, sind unschön und verschandeln gepflegte Bürgersteige. Alles richtig. Sage ich ja gar nichts.

Aber hat mal jemand weiter gedacht?
Bei der Hundenotdurft handelt es sich um reines Naturprodukt.

Vollends und schnell biologisch abbaubar. Und das packt man in Plastik – Tüten und schmeißt es in den Müll, wo es gar nicht mehr abgebaut werden kann und der ja meistens auch noch mal in eine Tüte kommt…. Das ist also eigentlich genauso unsinnig wie eine Banane in Plastikfolie zu verschweißen – hat es ja im Supermarkt schon gegeben, am besten noch mit BIO – Siegel, damit es ganz sinnfrei wird.

Der Abbau einer Plastiktüte dauert so ca 400 Jahre… ein paar mehr oder weniger.

Sollte man da nicht ein bisschen mehr drüber nachdenken, als nur die Anzahl der Tütchen auf der Rolle in das Verhältnis des Preises zu setzen?

Natürlich gibt es die großen Rollen von namhaften Herstellern in pink und bunt und sogar mit Pfötchenabdrücken, mit Spender oder ohne, aber natürlich auch im praktischen Nachfüllpack. Klar sind die niedlich und billig und man versucht damit die Anwendung so angenehm wie möglich zu machen und auch Tütchenmuffel zu animieren welche zu nutzen.
Und in manchen Städten und Gemeinden wird ja schon das Mitführen von Tütchen kontrolliert und ein Nicht-dabei-Haben sogar ordnungsrechtlich bestraft.

Plastik gehört heute einfach überall dazu. Jede Branche hat ihr Tütchen.

Nun ist ja die Politik sogar darauf aufmerksam geworden, seit es mit dem Übrigbleibsel der abgelegten Tüten anfängt Probleme zu geben. In manchen Ländern wurden sie bereits verboten und in unseren Geschäften plädiert man auf schönen Schildchen für Nachhaltigkeit und Umweltschutz und möchte nun inzwischen Geld für das Tütchen.

Sollte man also nicht auch an der Stelle über Nachhaltigkeit nachdenken, an der eine Tüte mit einem natürlichen Produkt nach einmaligem Gebrauch entsorgt wird, ohne Aussicht auf einen schnellen unschädlichen Abgang?
(c) Ramona Noack, Tierzentrum Leuthen 2017