Lernt endlich Eure Hunde lesen!!

Neulich stand ich in der Stadt an einem Ampelrückstau an und konnte mal wieder den ganzen menschlichen Irrsinn einer Hundebegegnung beobachten…

Zwei ältere Damen mit kleinen Hunden. Die eine mit einem Malteser und die andere mit einem Mops „bewaffnet“, in ca 5 oder 6 Meter Abstand voneinander gegenüber stehengeblieben, natürlich auf dem offenen Fußweg.
Der Malteser legte sich hinter Frauchen auf den Boden und ging keinen Schritt weiter.  Vermied den Blickkontakt wo er konnte.
Der Mops stand wie angewurzelt und hatte seinen Blick starr geradeaus auf den Malteser gerichtet.  Als sein Frauchen weiter gehen wollte, bewegte er sich keinen Zentimeter. Er war stocksteif und 5m größer.

Die beiden Frauchen waren wohl auf der Distanz ins Gespräch gekommen, denn beide kommunizierten lächelnd – es sah eher so aus in der Richtung: „Junge oder Mädchen“ – „Ach ja, dann können sie sich ja begrüßen“.
Denn beide sind nun, völlig ungeachtet der 3 Millionen Vokabeln ihrer Hunde, am an der Leiner zerren und den Hund zum Gehen zu bewegen.
Der Malteser wurde gezwungen mit kräftigem Zug auf der Leine (mit Halsband) aufzustehen und sich frontal auf den Mops zuzubewegen.
Der Mops seinerseits auch an Halsband und Leine,  wurde einer Statue ähnlich, denn immer noch stocksteif den Malteser fixierend in Richtung diesem gezogen.

Der Verkehr ging leider weiter, ich konnte also diese weitere Begegnung und den direkten Ausgang nicht zu Ende beobachten. Gott sei Dank, denn bei sowas könnte ich unvermittelt aus dem Auto springen und die Hundehalter an den Ohren durch die Gegend zerren… und mit dem Gesicht in die Vokabeln ihrer Hunde drücken…
Bildlich versteht sich – wer jetzt Kopfkino hat, das ist ok 😉

Aber um sich das Ende der Geschichte auszumalen gehört nun wirklich keine Phantasie. Diese beiden Hunde wollten sich „ganz bestimmt“ begrüßenUnd ich gehe jede Wette ein, dass es mindestens bei einem Hund dann bisschen Theater gab. Sollte das vielleicht nicht der Fall gewesen sein, dann haben, wie immer, beide Seiten aus der Begegnung gelernt und zwar nichts Gutes.

Der Malteser lernte, dass er trotz seiner Angst von seinem Frauchen in diese Situation gezwungen wird und er, egal was tut oder zeigt, nichts daran ändern kann, er MUSS den Mops begrüßen… Wenn er Glück hatte, brauchte er nicht bis direkt an dessen Nase.
Wenn er es noch nicht hat, wird sich bei ihm ein Begegnungsstress entwickeln, der unterschiedlich aussehen kann. Denn er kann kein Vertrauen zu seinem Frauchen haben und muss diese Sache für sich selbst lösen, in dem er für sich selbst Bewältigungsstrategien findet, die ihn innerlich erleichtern.

Dem Mops geht es ähnlich. Er hat auch sein Gegenüber nicht ohne Grund fixiert. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist auch er kein großer Begegnungskünstler. Nicht jeder Hund, der sich steif macht und fixiert, ist dominant. Das ist eh eigentlich bei 99% dieser Fälle so – man kann also davon ausgehen, dass auch der Mops eher aus Unsicherheit oder gar Angst so reagiert hat. Er wird bereits Ähnliches des Öfteren erlebt haben, denn auch sein Frauchen registrierte nichts von seiner deutlich sichtbaren Körpersprache. Auch er wurde in diese Distanzverringerung gezwungen, obwohl er es mit Sicherheit auch nicht wirklich wollte. Auch hier könnte ein Begegnungsstress bereits bestehen oder sich dann durch so etwas entwickeln. Oder die ganze bereits sichtbare Reaktion war bereits eine Folge von Begegnungsstress.

Also ich gehe ja aus Prinzip beim Einkaufen als Erstes in den Aldi rein und umarme jeden Menschen freudig, der sich dort befindet, erkläre ihm, wie toll der Tag ist und dass ich jetzt auch hier einkaufen werde…  Macht Ihr das etwa nicht… Warum?? Ist doch ganz normal…  Verstehe ich nicht… Ich muss doch als hoch sozialisiertes Lebewesen JEDEN Artgenossen, der mir begegnet freundlich freudig begrüßen, heißt also im menschlichen Fall umarmen – ansonsten ist mein Einkauf doch völlig unhöflich – oder etwa nicht… oder auf der Straße, wenn mir einer entgegen kommt… ok – allerspätestens beim 3 Menschen hätte ich eine zu sitzen….  warum bloß. Dabei bin ich doch nur höflich und freundlich…

Abgesehen davon, dass wir das ja nun wirklich so nicht machen, da uns unsere persönliche Individualdistanz jeder Zeit bewusst ist und wir diese Wohlfühlzone IMMER bewusst wie auch unterbewusst einhalten, frage ich mich immer wieder, warum der Mensch es bei den Hunden nicht erkennt. Vor allem anerkennt. Warum müssen sich alle Hunde auf der Welt lieb haben und sich vor allem leiden können?
Ich sage immer meinen Kunden – ich liebe auch nicht alle meine Nachbarn…

Es ist soooo wichtig sich mit der Körpersprache seines vierbeinigen Freundes zu befassen. Den Hunden steht ALLES auf den Leib und ins Gesicht geschrieben, man muss nur hinschauen und es beobachten und deuten können. Es heißt Ausdrucksverhalten, Körpersprache und Kommunikation, weil es das Verhalten des Hundes erklären kann und zeigen kann, welches Verhalten folgen wird.
Es ist schon ein wenig aufwändig. Man muss lernen, seinen eigenen Hund zu beobachten und man muss üben, das Beobachtete zu deuten. Dann muss man das alles noch einordnen können und wissen was es bedeutet und was daraus folgt, wie sich der Hund verhalten wird und wie man selbst reagieren muss.
Ja sicher ist das ein Einsatz, aber ist man es nicht seinem Liebling schuldig, zu wissen was er fühlt, welche Bedürfnisse er hat und wie man diese bestmöglich erfüllen kann?
Dann muss man von ihm auch nicht verlangen, Dinge zu tun, die ihm widerstreben oder die ihm schaden oder gar Schmerzen, ob physisch oder psychisch, zufügen. Denn nichts anderes ist es, wenn man seinen Hund, ob bewusst oder unbewusst, in solche Situationen rammeln lässt, wenn es auch gleich aus Unkenntnis ist.

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(c) Ramona Noack, Tierzentrum Leuthen

 

 

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